Publikationen

Ein Beitrag zur Geschichte des Hochschulwesens in den Ostseeprovinzen des Russischen Reiches Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2007. 256 S., 35 Abb. ISBN 978-3-631-56477-6 br.

Aus dem Inhalt: Überblick über die vorausgehenden Universitäten Dorpat und Pernau im 17. und beginnenden 18. Jahrhundert - Baulichkeiten, Einrichtungen von Bibliotheken, Institutionen und Verwaltung - Gesellschaftliche Verhältnisse (Lehrkörper, studentisches Leben und Verbindungen) - Hauptteil: Wissenschaft, Lehre und Forschung.

Der Autor: Erich Donnert, geboren 1928 in Altrohlau bei Karlsbad (Böhmen), emeritierter Professor für Allgemeine und Osteuropäische Geschichte an den Universitäten Jena, Leipzig und Halle; Gastprofessor in Russland, Schweden, den USA und in Österreich.

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Themen- und Buchbesprechung von osteuropa.ch


Die 1802 neu eingerichtete Kaiserliche Universität Dorpat-Jurev nahm in der Entwicklung von Kultur, Bildung und Wissenschaften in den Baltischen Provinzen und im Russischen Reich bis zu ihrer Schließung im Jahre 1918 einen hervorragenden Platz ein. In der deutschen Historiographie hat diese baltische Hohe Schule bislang keine wissenschaftlich ausreichende Gesamtdarstellung erfahren. Als Universität im nördlichen Europa trat die Universität Dorpat bis zu ihrer Reformierung und 1893 erfolgten Umbenennung in Universität Jurev im Gefüge der europäischen Universitäten als hauptsächlich deutschsprachige Wissenschafts- und Bildungseinrichtung in Erscheinung. Nach dem Verständnis von Kaiser Alexander I., ihrem Gründer, sollte die baltische Hochschule als Reichsuniversität dem Bemühen Rechnung tragen, Russland enger in die westlich-europäische Völkerfamilie einzugliedern, ohne die religiösen Grundlagen der Orthodoxie zu schmälern. Die wichtigsten geistigen Kräfte an der Universität waren in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens die europäische Spätaufklärung, die Philosophie des Deutschen Idealismus sowie die Deutsche Klassik und Romantik, die auf dem Erbe des Humanismus fußten. Der Universitätsbetrieb stand weitgehend im Zeichen innerer Autonomie, und der wirksam werdende Lehrkörper bestand vorwiegend aus heimischen deutschen Wissenschaftlern und solchen aus Deutschland. Durch aktive Berufungspolitik gelang es, in den Jahren des Bestehens der Universität Dorpat-Jurev auch zahlreiche erstklassig vorgebildete Professoren für eine Tätigkeit an der baltischen Universität zu gewinnen, die als Theologen, Rechts- und Staatswissenschaftler, Vertreter der Historischen und Sozialwissenschaften, der Naturwissenschaften und Medizinischen Wissenschaften wirkten, unter ihnen seit den neunziger Jahren verstärkt auch russische, ukrainische, polnische und andere Gelehrte, die die auf der Höhe der Zeit stehende Wissenschaft, Lehre und Forschung an der Universität Dorpat-Jurev bis zu ihrem Ausgang repräsentierten.